Zheng He 1433 the Grand Voyage

Ausländische Besucher in Taipei wundern sich manchmal, ob es überhaupt ein Kulturprogram in dieser Stadt gibt. Dieses Wundern rührt meistens vom hässlichen Stadtbild her. Aber nur weil Taiwanesen ziemlich Schnuppe ist wie ihre Städte aussehen, heißt das noch lange nicht, dass es in diesem Land keine Kreativität gäbe. Ganz im Gegenteil.

Im National Theatre finden sich häufig bekanntere oder zumindest sehr interessante Produktionen ein. So kommen im Rahmen der diesjährigen 2010 Taiwan International Festival (Vision of the Future) immer qualitativ hochwertige Theatertruppen nach Taiwan, und nicht nur dann.

So war gestern das National Theatre Schauplatz einer Weltpremiere der etwas anderen Art. Ein Mash-Up aus amerikanischen Jazz (plus Tanz, plus Bühnentechnik), chinesischen Kostümen, chinesischen klassischen Gedichten, Trommelmusik, modernem Tanz und, last but not least, einer taiwanischen Erzählerin. Dabei haben sich hauptsächlich Robert Wilson, Tang Meiyun (唐美雲) und das U-Theatre of Taiwan (優人神鼓) voll ausgetobt. Als Hintergrund musste die siebte Fahrt des chinesischen Mingzeit-Admirals Zheng He (鄭和, 1371-1433) herhalten.

Robert Wilson, der am von ihm gegründeten Watermill Center arbeitet, malt in jeder Szene mehrere neue Bilder, während Tang Meiyun, auf taiwanesisch die Geschichte des Admirals Zheng He erzählt und dazu klassische chinesische Gedichte auf taiwanisch rezitiert oder im Jazzstil singt. Tang Meiyun hat dabei die einzige Sprechrolle, außer von einzelnen Huhs des Admiral Zheng abgesehen. Zwischendrin haut das U-Theatre ordentlich auf die Trommel. Weitere Musikinstrumente werden von Dickie Landry (Saxophon und Querflöte) gespielt. Nebenbei hört man noch eine Triangel und im ersten Akt eine extrem nervige Fliegeralarmsirene (Wieso muss moderne klassische Musik immer nerven?). Die Kostüme stammen von Tim Yip, der schon einen Oskar für seine Kostüme in Crouching Tiger, Hidden Dragon bekommen hatte und er hätte ihn auch für dieses Theaterstück verdient.

Am Ende des Stückes bleibt man etwas rätselnd zurück, die Vorstellung der Schauspieler war hervorragend, die Musik, das Bühnenbild (außer in der zweiten Hälfte, in der wohl das Motto war: „Lauf ein bischen langsamer wir müssen 65min füllen“), Licht und die Kostüme. Nur leider war das ganze so modern und entrückt, das die Story auf der Strecke blieb, wenn denn da mal eine gewesen war. Eigentlich sollte Zheng He auf seiner siebten Reise begleitet werden, aufgefüllt von Flashbacks zu seinen anderen sechs Reisen. Das hehre Ziel, laut Broschüre, war die Einsamkeit und die Suche nach Frieden darzustellen… früher hieß so was in der Schule Thema verfehlt. Schuld war wahrscheinlich auhch der wilde Mix an Elementen, chinesische Gedichte, taiwanische Repitieren, Peking-Oper, chinesisches Puppenspiel, Jazz, moderner Tanz ein bischen zu viel. Der Zuschauer muss hier einen extrem großen Bildungskanon mitbringen, um das ganze zusammensetzen zu können und zu verstehen.

Dementsprechend gab es am Ende ordentlich Beifall für Tang Meiyun, eine Meisterin der taiwanischen Oper, sowie für Dickie Landry. Wären die Schauspieler aber nach der ersten Beifallrunde nicht gleich wieder rausgekommen, hätten sie keine zweite bekommen.

Das Programm des 2010 Taiwan International Festival, Vision of the Future findet sich unter: http://tif.ntch.edu.tw/

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