Blutige Erdbeeren?

Taiwans Demokratie ist weiter in Bewegung, die Studenten protestieren, inzwischen im ganzen Land, immer noch friedlich mit Sit-Ins. Die Facebook Gruppe ist weiter angewachsen und funkt ihr Statement in chinesisch, englisch, deutsch (!!), koreanisch und japanisch. Dieses Wochenende erwarten die Organisatoren 1000 Teilnehmer auf dem Liberty Square (vor CKS-Memorial). Die Initiative hat sich inzwischen eine Erdbeere zum Bild gewählt und sich in Wild Strawberry Movement umbenannt. Ich frage mich ob den Beteiligten dabei klar ist, dass es einen Film aus den 70ern gibt, indem es um ein friedliches Sit-in von Studenten geht, der von der Polizei gewaltsam aufgelöst wird, der Name: „The Strawberry Statement“ (Blutige Erdbeeren)? History repeating? In der letzten Woche hat sich ein 80 jähriger, der seit den 50ern KMT Mitglied ist, auf dem Liberty Square aus Protest gegen die Annäherungspolitik der KMT angezündet. Ein Vorgang der die KMT schwerer ins Mark getroffen hat, denn was auch immer die Opposition treibt, die Gefahr eines Frontverlaufs durch die KMT wäre ein GAU für die Parteiführung.

Während die Studenten sich als parteilos betrachten und eine Entschuldigung von Ma und Liu (Premier) für die Polizeiübergriffe beim Besuch der ARATS Delegation, den Rücktritt des Chefs der Polizei und der Nationalen Sicherheitsbehörde sowie eine Änderung des Versammlungsgesetz fordern, organisiert sich die Opposition um ihre „Märtyrer“. Chen Shuibian, Präsident der Republik von 2000-2008, sitzt in Untersuchhungshaft wegen Unterschlagung und Korruption und fastet nun, woraufhin seine Supporter ein riesiges Poster mit seinem Konterfei in der DPP Hochburg Kaohsiung aufgehängt haben. Chen weiß sich zu inzenieren, besonders wann man den am besten seine Handschellen in die Luft reißen sollte. Die Festnahme schlägt Wellen bis in die USA und Holland. Weitere Parteimitglieder, die sich ebenfalls mit Korruptionsvorwürfen konfrontiert sehen, sind vollständig in Hungerstreik getreten. Die DPP wirft der KMT politische Verfolgung vor. Die KMT wiederum versucht im Fall der Studenten an einer Lösung im Parlament zu arbeiten und will das Versammlungsgesetz unter Mitinitiative der Opposition ändern. Ma Ying-jeou hat nun auch die Studenten zu Verhandlungen eingeladen. Bei den Anklagen gegen die DPP Vertreter wiederum verhält sich die KMT Führung sehr unauffällig und tut sich mit dieser „Hexenverfolgung“ keinen Gefallen. Im Zusammenhang mit den neuen Abkommen mit der VR China über die direkten Verbindungen, hat sich ein neuer parteiübergeifender Graben aufgetan, Legislative und Exekutive streiten sich nun über ihre Kompetenzenz was die Vertragsanerkennung angeht.

Es bleibt spannend im kleinen Taiwan.

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