History in the making

Source: Taipei Times

Eine aufregende Woche für Taiwan. Chen Yunlin der Vertreter der Association for Relations across the Taiwan Strait (ARATS) war in Taipei zu Besuch, um mit dem taiwanischen Gegenpart der Strait Exchange Foundation (SEF) über weitere Schritte in der wirtschaftlichen Annäherung zwischen Taiwan und China zu verhandeln. Die Gespräche die kurz nach der Wahl von Präsident Ma Ying-Jeou angekurbelt wurden und schon zu ersten Lockerung im Handel zwischen beiden Ländern geführt haben, wird von der taiwanischen Bevölkerung immer kritischer betrachtet. Die taiwanische Regierung glaubt reine Wirtschaftsgespräche mit der chinesischen Regierung zu führen, eine blauäugige Annahme, wenn man bedenkt das Staat und Gesellschaft in der VR China nicht getrennt sind. Wirtschaft ist ein Mittel der Politik für die VR China mit der man Länder die in China investiert haben an der Kette wie einen Hund hin- und herreißen kann. Die Reaktionen chinesischer Staatsunternehmen nach dem Besuch des Dalai Lamas bei der Bundeskanzlerin Merkel sowie die Anschuldigungen gegen ausländische Unternehmen nach dem Erdbeben in Sichuan sind gute Beispiele für eine Vermischung von privat-wirtschaftlichen Interessen und staatlichen Aufgaben. Wenn man sich Chen so anschaut sieht man einen Stereotypen KPCh Kader und keinen neutralen Verhandler. Noch viel interessanter wird die Geschichte, wenn man sieht mit welchem vorauseilenden Gehorsam Ma Ying-Jeou den Gast empfangen hat. So wurden alle Fahnen der Republik China entfernt und Demonstranten, die eine Fahne bei sich trugen, schnell wieder entfernt. Chen wurde in das Grandhotel verfrachtet, dass mit Stacheldraht und 7000 Polizisten gesichert wurde. Ein Laden der auf dem Weg des chinesichen Besuchers die taiwanische Nationalhymne spielte wurde von der Polizei gestürmt.

Source: Taipei TimesDas ganze ist ein bischen verquer, da unter dem sogenannten 1992 Konsensus, auf den sich die KMT in ihren Verhandlungen beruft, beide Länder vereinbart haben, das sie beide verschiedene Vorstellung über die Ein-China Politik haben. Bei der taiwanischen Bevölkerung entsteht aber langsam der Eindruck, das die KPCh und die KMT die gleiche Ein-China Politik verfolgen. Auf welcher historischen Basis beide Regierungen glauben, dass es Ein-China gibt ist fraglich: Während die Republik China 1912 gegründet wurde und ihre Grenzen noch die Mongolei umfassten sowie ein Anspruch auf Taiwan bestand, dass zu dieser Zeit japanisch war und die VR China, gegründet 1949, sich als Erbe der Republik China betrachtet, aber keinen Anspruch auf die Mongolei erhebt, dafür aber auf Taiwan, dass erst ab 1945 Teil der Republik China ist, fragt man sich in diesem historischen Kuddel-Muddel wieso die VR China sich so unbedingt eine kleine Insel einverleiben will, während es keinen Anspruch auf ein großes Land, wie die Mongolei mit all seinen Naturressourcen hat? Angst vor dem großen Nachbarn Russland? Blockieren der Seewege Südostasiens? Näher ran an den Erzfeind Japan? Keine Lust auf ein eigenständiges Land, dass tagtäglich beweist das Demokratie mit Han-Chinesen möglich ist?

Source : China PostIn den fünf Tagen, die sich Chen in Taiwan aufhielt, hatte sich die Stimmung zwischen Pro-China, ergo der KMT und Pro-Taiwan Demonstranten soweit aufgeheizt, dass es am Donnerstag zu blutigen Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Demonstranten kam. Dies ist auf eine Polemisierung durch die Opposition, der DPP (Demokratische Fortschrittspartei), sowie unausgebildete Polizisten zurückzuführen. Denn Aufmärsche mit mehr als 100 Personen sind in Taiwan noch selten und die angeblich 100.000 Demonstranten, die das informelle Gespräch zwischen Ma Yingjeou und Chen Yunlin stören wollten, doch eher eine Ausnahme. Das erschreckende hier ist, dass zum ersten Mal in diesem Konflikt die Polizei auf Demonstranten einprügelte, ein Fakt der wiederum die taiwanischen Studenten auf den Plan ruft, die sich bis dato a-politisch gezeigt haben und erst seit einigen politischen Missgriffen Ma Ying-Jeous sich wieder an Demonstrationen beteiligen. Nach den Übergriffen vom Donnerstag demonstrieren Studenten mit friedlichen Sit-Ins vor dem Exekutiv-Yuan (Kabinett) und fordern eine Entschuldigung für die Zwischenfälle vom Donnerstag letzer Woche und wurden prompt von Polizisten in Riot-Gear wieder entfernt.

Taiwan steht vor einem Wendepunkt: wird die KMT einen Rückfall erleben und wieder zum Knüppel greifen oder ist Taiwans Demokratie reif genug in einem friedlichen Prozeß eine Lösung zu finden, die zwischen der Taiwan-Unabhängigkeitsbewegung und der Rückkehr-ins-Reich-Formel, einen neuen Status-Quo findet, der Taiwan internationale Anerkennung gibt, sich somit aus dem Würgegriff der VR China befreit (siehe WHO Diskussion) und weiterhin einen politischen, rechtlichen und wirtschafltichen autonomen Status behält.

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Eine Antwort zu History in the making

  1. korangan schreibt:

    was sagen denn der Moderator und sein Diskussionspartner? Die scheinen irgendwie ziemlich aufgebracht und verfallen dabei in so einen Taiyu-guoyu Kreolisch.

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