Leuchtturm ohne Licht

Am Freitag hatte ich ausgesprochen schlechte Laune, die sich am Samstag nicht gehoben hat. Erst heute ging es wieder besser, da ich mir gedacht habe was solls, selbst wenn ich 80 Seiten umsonst schreibe werde ich die noch zu irgendwas verwursten können, da mein Schein immer noch nicht da zu sein scheint. Zum Beipiel zu einem Buch über die Geschichte des Finanzsystems Taiwans. Ursache für meinen Groll war der sogenannte Exellenzwettbewerb. Man kann nur gratulieren, vor allen Dingen das es gelungen ist Geld für einen Exzellenzcluster in den Geisteswissenschaften zu gewinnen. Kann ich nur sagen Hut und ab, Respekt, Super Leistung!!! Denn es vergrößert sich jetzt sehr wahrscheinlich der Jahresetats des IfS um das 50fache (Die Gesamtsumme für den Cluster beträgt atemberaubende 40 000 000€). Nur nichts davon wird in der Lehre ankommen, ganz im Gegenteil es steht zu befürchten, dass noch mehr Ressourcen aus dem jetzt schon mageren Angebot abgezogen werden (kleiner Hinweis an die Geisteswissenschaftler unter den Lesern alles ist endlich: Arbeit, Energie und Zeit) und das Interesse an Eigengewächsen noch weiter abfällt (wie an allen Universitäten eine Abbrecherquoten nahe bei 50-60%), da man jetzt sowas wie der FC Chelsea der Geisteswissenschaften ist. Die nächsten 5 Jahre mögen mich Lügen strafen, wenn es heißt: „Asia and Europe in a Global Context: Shifting Asymmetries in Cultural Flows„.
Nun zu meiner schlechten Laune, die auf dem himmelweiten Unterschied zwischen ELITE FORSCHUNG und (nahe an dritte Welt Verhältnisse grenzenden) Lehre fußt. Die Forschung ist nun Elite aber werden es auch die Studenten? Die Politik glaubt ja bis heute das sich Universitäten als Teil der Gesellschaft betrachten und integrativ ausbilden, d.h. den Spagat zwischen Arbeitsmarkt und Forschung schaffen. Das liegt ihnen aber fern, da ihr Hauptaugenmerk auf der Forschung liegt, auch weil kaum noch Kraft zur Ausbildung aller vorhanden ist. Durch jahrelanges wegrationieren von Mitteln durch Länder und Bund führt es zu teilweise, nicht immer, katastrophalen Zuständen bei der Lehre an den Univerisäten. Als da wären überlastete Dozenten, weit überdurchschnittliche Korrekturzeiten, sehr lang unbesetzte Profesurstellen, 150 Studenten auf einen Professor, ein absolut minimiertes Lehrangebot, Lehrinhalte von anno dazumal und so weiter und so fort. (die Liste ließe sich jetzt auf Zeit-Dossier länge ausbauen.)
Ab und zu gibt es ja auch Lichtblicke bei den Professoren und man kann nur hoffen, dass allen Beteiligten auffällt das der erste Schritt zum Forschen immer noch die Ausbildung des Studenten ist und somit die Basis der Forschung darstellt. Nicht nur weil aus ihnen später Doktoranden werden sondern weil er, außer er ist so ein kleines Licht wie ich, im Dialog neuen Input geben kann und Energie liefert für neue Ideen und bei der Weiterverbreitung von Wissen hilft. Selbst die immer noch große Masse der Studenten geht dann nicht im Zorn von der Uni sondern als aufgeklärte Menschen die wiederum in ihre Alma Mater investieren, Bildung weiterhin für das höchste Gut halten und der Gesellschaft den Respekt vor der Forschung vermitteln kann. Soviel zu meiner naiven Utopie.
Es steht also zu hoffen, dass die Leuchttürme die man nun bauen kann auch mit Licht gefüllt werden und nicht die bisherigen 95% der Energie beim Produzieren von Licht auf dem Weg nach oben verloren gehen. Was aber in den letzten hundert Jahren nicht passiert ist wird sich auch nicht in den nächsten 5 Jahren ändern, oder?

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